Die Ruhrstadt Gartenmiliz

. . . es grünt im Ruhrpott!

Manifest September 23, 2009

§ „Sous le pavé: la plage“

(Unterm Pflaster liegt der Strand)

Lieber! Es war eine Zeit, da auch meine Brust an großen Hoffnungen sich sonnte, da auch mir die Freude der Unsterblichkeit in allen Pulsen schlug, da ich wandelt unter herrlichen Entwürfen, wie in weiter Wäldernacht, da ich glücklich, wie die Fische des Ozeans, in meiner uferlosen Zukunft weiter, ewig weiter drang.“

1. Wir wollen die Liebe zur Natur besingen, die Betonwüste mit Energie und Verwegenheit bekämpfen.

2. Mut, Kühnheit und Auflehnung werden die Wesenselemente unseres Schaffens sein.

3. Bis heute ist die ganze Stadtplanung auf das Auto ausgelegt, die Natur wurde verdrängt oder so kastriert, dass sie sich nur noch in kranken Baumzwergen und steriler Monokultur wiederfindet. Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schaufel, den schmetternden Spatenstich, das Umwälzen von Gesteinsmassen, die sich erhebenden grünen Massen, den Kisselköpper auf der Blumenwiese, das Streifen durch die Wälder.

4. Wir erklären, dass sich die Tristesse der Welt um eine neue alte Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Natur. Eine Oase, deren Blätterdach kräftige Sprossen zieren, die den Speerspitzen einer marschierenden Armee gleichen… eine aufsprengende Blütenknospe, die einem Feuerball gleich, Licht in die Dunkelheit bringt; große Blumenmeere, Obst-, Gemüse- und Kräuterquellen sind schöner als versiegelte Flächen, Autohäuser und endlose Parkplatzeinöden.

5. Wir wollen den Menschen an der Kreuzhacke besingen, deren Spitze er in den Asphalt treibt, welcher das Leben unter sich versiegelt hält.

6. Der Gärtner muss sich glühend, glanzvoll und freigiebig einbringen, um die leidenschaftliche Inbrunst der Urelemente zu vermehren.

7. Schönheit gibt es nur noch im Grünen. Ein Werk ohne lebendigen Charakter kann kein Meisterwerk sein. Die Guerilla-Gärtnerei muss aufgefasst werden als ein heftiger Angriff auf die technokratischen Kräfte, um sie zu zwingen, sich vor dem Menschen und seiner Natur zu beugen.

8. Wir stehen an dem äußersten Abgrunde der Jahrhunderte! . . . Wir sollten in uns blicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen! Zeit und Raum werden morgen sterben. Wir leben noch längst nicht im Absoluten, denn noch geht es rasant einer Leblosen, einer Sinnlosen Zukunft entgegen.

9. Wir wollen das Leben verherrlichen, den Wildwuchs in allem und jedem.

10. Wir wollen die Tankstellen, die Betonklötze und jeglichen leblosen Raum wiederbeleben und kämpfen gegen den Sparwahn am Sozialen und Grünen, den Kontrollzwang, gegen alles Menschenverachtende in Regionen, die Menschen ihr zu Hause nennen.

Ruhrstadt Gartenmiliz

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9 Responses to “Manifest”

  1. mala Says:

    moin,
    is mal wieder was geplant, hätt bock dabeizusein….

  2. thetelemachos Says:

    Zurück zur Natur. Kinder dieser Erde, schnappt euch den Spaten und spaltet den Beton, auf das die Samen nach oben drängen.

  3. Hauptstadtdissident Says:

    Was ist schon eine Streuobstwiese gegen ein Straßencafe?! Dem einzigen überlebentaugliche Reservat. Die Natur ist uns feindselig gestimmt. Sie nimmt uns langsam die schlechte Behandlung der vergangenen 10.000 Jahre übel und wehrt sich. Sonne zur Freiheit, fordert sie. Grill die Ganoven. Wasser Marsch und Ast rein. Unsere letzte Attacke gegen die Natur wird sein: Wir beißen ins Gras. Gartenmilizen gegen Naturgewalten, das wird kein Blätterkrieg. Ich wünsch Euch flowerpower.

    • gartenmiliz Says:

      wir bringen die streuobstwiesen in die cafes, lassen die sonne unsere pflanzen groß machen, sammeln wasser für die pflanzenzöglinge oder schießens in die luft und tanzen unterm regenbogen, sammeln stämme und astwerk für insektenhotels und sitzgelegenheiten und anstatt uns zu beißen lassen wir gras über die ganze sache wachsen.

      nabu, fräulein cafe und co haben die gemeinsame ursuppe entdeckt und löffeln jetzt was zeug hält.
      danke für die flowerpower, wünsche ich auch!

      Kolja

  4. Hallo, liebe Guerilla-Gärtner,

    Am 18. März 2010 ist Richard Reynolds, Autor des Botanischen Manifestes Guerilla Gardening (erschienen bei Orange Press) zu Gast bei uns:

    Donnerstag, 18. März 2010, 20:00 Uhr

    Was ist Guerilla Gardening?
    Richard Reynolds / London zu Gast

    Ort: proust – WÖRTER + TÖNE, Essen

    Zusammen mit der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V. Zweig NRW lädt die Buchhandlung Proust zum Gespräch mit Richard Reynolds, dem Gründer der Guerilla Gardener ein. Er zeigt den Weg des nächtlichen, verbotenen Gärtnern im urbanen Umfeld auf, ermutigt zu Schaufel, Blumenerde und Samentütchen zu greifen und zeigt auf, dass man auf diesem Weg nicht nur drängender Not mit dem Anbau von Gemüse und Obst begegnen kann, sondern auch mit zivilem Ungehorsam künstlerisch seine freie Meinung äußern kann. Ein perfekter Auftakt, um auch die Gartenkultur 2010 in der Ruhrregion zur Blüte zu bringen.

    Richard Reynolds, Jahrgang 1977, wuchs im landwirtschaftlich geprägten Südwesten Englands auf, studierte Geografie in Oxford und ist stolzer Besitzer eines Diploms der „Royal Horticultural Society“. Nach zehn Jahren in der Werbebranche arbeitet er inzwischen als Freelancer, um genügend Zeit für seine Aktivitäten als Guerilla-Gärtner zu haben. Seit 2004 betreibt Reynolds die Website GuerillaGardening.org – sie ist für Botanik-Aktivisten aus der ganzen Welt zur zentralen Anlaufstelle geworden. Richard Reynolds lebt in London, im Bezirk Elephant & Castle.

    Die Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur e.V. – Zweig NRW (www.gartengesellschaft.de) existiert seit fünf Jahren in der Region. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das menschliche Lebensumfeld mit Bäumen, Büschen und Blumen bunter zu gestalten und die Tradition des Gärtnerns mit all ihren historischen und praktischen Hintergründen deutlich zu beleben. Der Verein hat seinen Sitz in Essen. Sprecherin der Gruppe ist Dorothée Waechter, selber Gärtnerin und Gartenbauingenieurin, Autorin zahlreicher Bücher, bekannt aus Radio (WDR 2) und Fernsehen (ARD Morgenmagazin).

    Begrüßung und Übersetzung: Dorothée Waechter

    Eintritt: 8, € / erm. 5,- €; wir bitten freundlich um Reservierung!

    Im Anschluss an die Lesung und Diskussion sind alle eingeladen zum Gärtnern.

    Bitte zur Lesung anmelden per Mail.


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